Schrittmotor vs. Servomotor
Wann ist welcher Antrieb sinnvoll? – Technischer Vergleich für industrielle Anwendungen
Wer einen präzisen Elektromotor für industrielle Anwendungen auswählt, steht häufig vor der Grundsatzfrage:
Schrittmotor oder Servomotor?
Beide Antriebstechnologien sind in der Automatisierung etabliert – unterscheiden sich jedoch deutlich in Regelungskonzept, Dynamik, Effizienz und Kostenstruktur. Dieser Fachartikel ordnet die Unterschiede fachlich korrekt ein und liefert praxisnahe Entscheidungskriterien für Konstrukteure und Projektverantwortliche.
Grundprinzipien im Vergleich
Schrittmotor – offene Positionierung ohne Feedback
Ein Schrittmotor bewegt sich in diskreten Winkelschritten, die durch die sequentielle Bestromung der Wicklungen erzeugt werden.
Die Position ergibt sich aus der Anzahl der ausgeführten Schritte – klassisch ohne Encoder (Open Loop).
Typische Merkmale:
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definierte Schrittwinkel (z. B. 1,8°)
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hohes Haltemoment im Stillstand
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einfache Ansteuerung
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reproduzierbares Verhalten bei definierten Lasten
⚠ Wichtig:
Bei Überlast kann es zu Schrittverlusten kommen, die ohne Rückmeldung unbemerkt bleiben – kein Regelungsfehler, sondern Systemeigenschaft.
Servomotor – geschlossene Regelung mit Feedback
Ein Servomotor ist meist ein permanenterregter Synchronmotor (PMSM) oder BLDC-Motor mit Encoder.
Er arbeitet in einem Closed-Loop-Regelkreis, der Position, Drehzahl und Strom kontinuierlich nachregelt.
Typische Merkmale:
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sehr hohe Dynamik
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exakte Positionierung auch bei variabler Last
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hoher Wirkungsgrad im Betrieb
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komplexere Inbetriebnahme
Servomotoren „wissen“, wo sie stehen – Schrittmotoren nehmen es an.
Schrittmotor vs. Servomotor – Technischer Vergleich
| Kriterium | Schrittmotor | Servomotor |
|---|---|---|
| Positioniergenauigkeit | Hoch bei definierten Lasten | Sehr hoch durch Encoder |
| Regelung | Offen (Open Loop), optional Closed Loop | Geschlossen (Closed Loop) |
| Dynamik & Drehmoment | Sehr gut bei niedrigen Drehzahlen | Sehr gut auch bei hohen Drehzahlen |
| Stillstand & Haltekraft | Sehr hoch ohne Bremse | Gering ohne aktive Regelung |
| Effizienz | Geringer bei Dauerbestromung | Hoch im geregelten Betrieb |
| Sensorik | meist keine erforderlich | Encoder zwingend |
| Systemkosten | niedrig bis mittel | mittel bis hoch |
| Komplexität | gering | hoch |
👉 Closed-Loop-Schrittmotoren liegen funktional zwischen beiden Welten und sind eine zunehmend relevante Hybridlösung.
Typische Einsatzgebiete
Typische Anwendungen für Schrittmotoren
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Dosiersysteme und Ventilantriebe
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Medizinische Geräte
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Etikettier- und Pick-&-Place-Systeme
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Positionierer mit definierten Lasten
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Geräteautomatisierung mit niedriger bis mittlerer Dynamik
Typische Anwendungen für Servomotoren
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CNC-Achsen und Werkzeugmaschinen
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Verpackungsmaschinen mit hoher Taktzahl
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Robotik und Mehrachssysteme
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Anwendungen mit stark wechselnden Lasten
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Prozesse mit kontinuierlicher Bahnregelung
Entscheidungskriterien für Konstrukteure
1. Dynamik und Lastwechsel
Wenn schnelle Lastwechsel oder hohe Beschleunigungen auftreten → Servomotor.
2. Kosten und Systemkomplexität
Bei klar definierten Bewegungen ohne Feedbackpflicht → Schrittmotor.
3. Stillstand mit Haltekraft
Wenn der Antrieb häufig positioniert verharrt, ohne Bremse → Schrittmotor im Vorteil.
4. Energieeffizienz und Wärme
Bei Dauerbetrieb mit wechselnden Drehzahlen → Servomotor effizienter.
5. Platz, Integration, Robustheit
Weniger Komponenten, weniger Kabel, weniger Parametrierung → Schrittmotor.
Fazit: Die Anwendung entscheidet – nicht die Technologie
Es gibt keinen pauschal besseren Antrieb.
Die richtige Wahl ergibt sich aus Lastprofil, Dynamik, Kostenrahmen und Systemanforderungen.
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Unternehmen wie die MICROSTEP GmbH betrachten daher nicht den Motor isoliert, sondern das gesamte Antriebssystem – inklusive Regelung, Mechanik und Anwendung.