Drehzahl von Schrittmotoren

Zusammenhang zwischen Schrittfrequenz, Schrittwinkel und Rotationsgeschwindigkeit

Die Drehzahl eines Schrittmotors beschreibt die Rotationsgeschwindigkeit der Motorwelle und ist eine der wichtigsten Kenngrößen bei der Auslegung eines Antriebssystems. Sie bestimmt, wie schnell sich ein mechanisches System bewegt und wie schnell Positionen erreicht werden können.

In der Praxis wird die Drehzahl eines Schrittmotors meist in Umdrehungen pro Minute (U/min) angegeben. Für Entwickler ist es jedoch wichtig zu verstehen, dass die Drehzahl bei Schrittmotoren nicht direkt eingestellt wird, sondern sich aus der Schrittfrequenz der Steuerung ergibt.

Die Steuerung erzeugt elektrische Impulse, die den Motor Schritt für Schritt bewegen. Je schneller diese Impulse folgen, desto schneller dreht sich der Motor.


Zusammenhang zwischen Schrittfrequenz und Drehzahl

Ein Schrittmotor bewegt sich in diskreten Winkelschritten. Jeder elektrische Impuls führt zu einer definierten Rotorbewegung. Die Geschwindigkeit dieser Impulse bestimmt somit die Rotationsgeschwindigkeit des Motors.

Die Drehzahl ergibt sich aus der Schrittfrequenz und der Anzahl der Schritte pro Umdrehung.

Die grundlegende Beziehung lautet:


n=60fSzn = \frac{60 \cdot f_S}{z}

Dabei gilt:

n = Drehzahl in Umdrehungen pro Minute
fS = Schrittfrequenz in Hertz
z = Anzahl der Schritte pro Umdrehung

Ein typischer Hybrid-Schrittmotor besitzt beispielsweise 200 Schritte pro Umdrehung, was einem Schrittwinkel von 1,8° entspricht.

Wenn die Steuerung eine Schrittfrequenz von 1000 Hz erzeugt, ergibt sich:


n=601000200=300U/minn = \frac{60 \cdot 1000}{200} = 300 \, U/min

Dieses einfache Verhältnis zeigt, dass sich die Drehzahl eines Schrittmotors direkt über die Schrittfrequenz steuern lässt.


Einfluss des Schrittwinkels

Der Schrittwinkel bestimmt, wie viele Schritte für eine vollständige Umdrehung erforderlich sind.

Beispiele:

1,8° Motor → 200 Schritte pro Umdrehung
0,9° Motor → 400 Schritte pro Umdrehung

Ein Motor mit kleinerem Schrittwinkel benötigt also mehr Schritte für eine Umdrehung. Bei gleicher Schrittfrequenz ergibt sich dadurch eine geringere Drehzahl.

Umgekehrt kann ein Motor mit größerem Schrittwinkel bei gleicher Frequenz eine höhere Drehzahl erreichen.

Der Schrittwinkel beeinflusst daher indirekt die maximale Drehzahl eines Schrittmotors.


Einfluss der Mikroschrittsteuerung

In modernen Antriebssystemen wird häufig Mikroschrittbetrieb eingesetzt. Dabei wird ein Vollschritt elektronisch in mehrere kleinere Schritte unterteilt.

Typische Mikroschrittauflösungen sind:

1/2 Schritt
1/8 Schritt
1/16 Schritt
1/32 Schritt

Bei einer höheren Mikroschrittauflösung steigt die Anzahl der Steuerimpulse pro Umdrehung deutlich an. Dadurch reduziert sich bei gleicher Schrittfrequenz die Drehzahl.

Ein Beispiel:

Motor: 200 Schritte pro Umdrehung
Mikroschritt: 1/16

→ 3200 Schritte pro Umdrehung

Die Steuerung muss also deutlich höhere Schrittfrequenzen erzeugen, um dieselbe Drehzahl zu erreichen.


Physikalische Grenzen der Drehzahl

In der Praxis kann ein Schrittmotor nicht beliebig schnell betrieben werden. Mit steigender Drehzahl sinkt das verfügbare Drehmoment.

Die Ursachen dafür liegen in mehreren physikalischen Effekten:

Induktivität der Motorwicklungen
begrenzte Stromanstiegsgeschwindigkeit
Trägheit des Rotors
mechanische Lastträgheit

Bei hohen Drehzahlen kann der Strom in den Wicklungen nicht mehr schnell genug aufgebaut werden. Dadurch nimmt das elektromagnetische Drehmoment ab.

Dieser Zusammenhang wird in der sogenannten Drehmoment-Frequenz-Kennlinie dargestellt, die den nutzbaren Arbeitsbereich eines Schrittmotors beschreibt.


Bedeutung der Drehzahl in der Praxis

Die Drehzahl spielt eine zentrale Rolle bei der Auslegung von Schrittmotoranwendungen. Sie bestimmt nicht nur die Bewegungsgeschwindigkeit, sondern beeinflusst auch das Drehmoment und die Dynamik des Systems.

Typische Anwendungen mit unterschiedlichen Drehzahlanforderungen sind:

Positioniersysteme
Dosieranlagen
Laborautomation
Medizintechnik
Ventilsteuerungen
Robotiksysteme

In Positioniersystemen steht meist die präzise Bewegung bei moderaten Drehzahlen im Vordergrund. In Förderanlagen oder rotierenden Anwendungen können dagegen höhere Drehzahlen erforderlich sein.

Die richtige Wahl von Motor, Steuerung und Versorgungsspannung ist entscheidend, um die gewünschte Drehzahl stabil zu erreichen.


Zusammenhang zwischen Drehzahl und Beschleunigung

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Beschleunigung des Motors. Schrittmotoren können nicht sofort mit hoher Drehzahl starten.

Wenn die Schrittfrequenz zu schnell erhöht wird, kann der Rotor dem elektromagnetischen Drehfeld nicht folgen. Dies führt zu Schrittverlusten.

Deshalb arbeiten Schrittmotorsteuerungen mit Beschleunigungsrampen, bei denen die Schrittfrequenz kontrolliert erhöht wird.


Fazit

Die Drehzahl eines Schrittmotors ist eine zentrale Kenngröße für die Auslegung eines Antriebssystems. Sie ergibt sich direkt aus der Schrittfrequenz der Steuerung und der Anzahl der Schritte pro Umdrehung.

Für Entwickler ist es wichtig zu verstehen, dass die Drehzahl nicht nur von der Steuerfrequenz abhängt, sondern auch durch Faktoren wie Mikroschrittauflösung, Motorinduktivität und Lastträgheit beeinflusst wird.

Nur wenn Motor, Steuerung und mechanische Last aufeinander abgestimmt sind, kann ein Schrittmotor seine maximale Leistung und Dynamik erreichen.