Lieferzeiten bei Elektromotoren – Warum es nicht immer schnell geht
In einer Zeit, in der „just in time“ längst Standard sein sollte, stoßen selbst kleine Elektromotoren auf überraschend lange Lieferfristen. Besonders bei individuellen Antriebslösungen ist Geduld gefragt. Dieser Beitrag beleuchtet die Faktoren, die Lieferzeiten beeinflussen – und zeigt, wie man realistisch planen kann.
1. Verfügbarkeit kritischer Bauteile
Elektromotoren bestehen aus zahlreichen Komponenten, deren Verfügbarkeit schwanken kann:
- Magnete (z. B. Neodym) unterliegen geopolitischen Einflüssen
- Spezialstähle, Isolierfolien oder Vergussmassen sind oft nur bei wenigen Anbietern verfügbar
- Elektronikkomponenten (Treiber-ICs, Sensoren) sind stark abhängig von der Halbleiterversorgung
Folge: Ein fehlendes Teil kann die Fertigung ganzer Serien verzögern – selbst bei standardisierten Produkten.
2. Kapazitäten in Wicklung & Montage
Die Wicklung ist einer der aufwändigsten Fertigungsschritte. Hier gilt:
- Jede Bauform erfordert individuelle Rüstzeiten
- Kleinserien benötigen manuelle Prozesse
- Automatisierte Linien laufen auf ausgewählte Standardprodukte
Konsequenz: Sonderwicklungen, neue Bauformen oder kurzfristige Änderungen verlängern die Durchlaufzeit spürbar.
3. Prüfprozesse und Qualitätssicherung
Besonders bei sicherheitskritischen Anwendungen (z. B. Medizin, Labor, Automotive) sind aufwändige Prüfungen notwendig:
- Seriennummerntracking
- Stückprüfungen (HiPot, Drehmoment, Leckage)
- Dokumentation und Rückverfolgbarkeit
Wichtig: Diese Prozesse sind nicht beliebig beschleunigbar – ohne Risiko für Qualität und Normkonformität.
4. Abhängigkeit von kundenspezifischen Vorgaben
Kundenspezifische Sonderlösungen benötigen zusätzliche Abstimmungen:
- Technische Freigaben
- Gehäuseanpassungen, Steckervarianten, Kabellängen
- Integration in Baugruppen oder Module
Folge: Die Lieferzeit beginnt oft nicht mit der Bestellung – sondern erst nach finaler Freigabe.
5. Internationale Logistik und Verpackung
Auch nach der Produktion entstehen Verzögerungen, z. B. durch:
- Exportabwicklung (z. B. Zoll, Versandnachweise)
- Sonderverpackungen oder Einzelkennzeichnungen
- Sammellieferungen bei Rahmenverträgen
Hinweis: Wer hier mitplant, vermeidet Frust auf den letzten Metern.
Fazit
Lieferzeiten bei Elektromotoren sind kein Zufallsprodukt – sondern Ergebnis vieler Einzelprozesse. Wer realistisch plant, Freigaben zügig erteilt und gemeinsam mit dem Zulieferer die Abläufe koordiniert, kann Engpässe vermeiden. Gerade bei komplexen oder maßgeschneiderten Lösungen lohnt sich ein frühzeitiger Dialog – am besten schon vor Projektstart.